“ Mit Verve und Spielfreude“ von Daniel Flügel Theatergruppe Flutlicht: „12 Stühle“ im T-Werk

„Money makes the world go round.“ Auch in Ilja Ilfs und Jewgeni Petrows Roman „12 Stühle“ (1928), einer kernig satirischen Gaunerkomödie, die im nachrevolutionären Russland der 1920er-Jahre spielt, regiert das liebe Geld. Da wird gelogen, betrogen, gestohlen, da tricksen sich die Akteure untereinander aus, da geht es rund, dass es eine Freude ist und man sich oft vor Lachen den Bauch hält. So auch am Freitagabend im ausverkauften T-Werk, als der Klassiker „12 Stühle“ in einer neuen Inszenierung der Theatergruppe Flutlicht Premiere feierte. Unter viel Jubel, vergnügtem Gefeixe und Applaus nach – wirklich – jeder Szene.

In der bereits sechsten Produktion von Flutlicht, einer Theatergruppe des Offenen Kunstvereins Potsdam, haben Nikki Bernstein und Ivaylo Tsekov ein sehr gutes Gespür für das Erzähltempo bewiesen. Unter ihrer Regie ist der Romanstoff von manch sperrigen Elementen befreit worden, wirkt er spritziger, pointierter und auch moderner, gleichwohl die teils liebevoll gestalteten Kostüme (Ekaterina Tsekova) historisch gehalten sind. So liegt die einst vermögende Klawida Iwanowna (Madita Kuhfuhs) nicht in ihrem Sterbebett, sondern berichtet als rückblickender und auch später das Geschehen immer wieder kommentierender Geist, von ihren Juwelen, die sie einst in einem von zwölf Stühlen versteckt hatte, welche anschließend beschlagnahmt wurden und seit einer Auktion in alle Winde zerstreut sind. Mehrere Leute haben sich, besessen von der Aussicht auf Reichtum, auf die Schatzsuche begeben.

Zum einen ist da der hilflos verklemmte Kissa (Jan Zschau), stets in Begleitung des charmanten Schlitzohrs Ostap Bender, den Carlo Bahra beeindruckend souverän zu verkörpern weiß. Aber auch der drollig komische Priester Fjodor (Niklas Moriena) jagt den Juwelen hinterher, ohne zu merken, dass ihm die Strauchdiebe Juri und Alexej (Bartholomäus Baumberg und Daniil Mironets) heimlich folgen und mit ihren clownesken Hanswurstiaden stets die Lacher auf ihrer Seite haben. Im ganzen Land sind sie nun alle unterwegs zu den Wohnungen der Stuhlkäufer, die auf der wirkungsvoll minimalistischen Bühne (Heidi Tamminen und Daria Malygina) durch verschiebbare Fenster- und Türenelemente angedeutet werden. Und gar sonderbare Gestalten hausen darin. Neben trotteligen Museumswärtern, doppelten Macbeth-Ehepaaren oder Rentnern, die eine Stuhl-Choreografie tanzen, etwa auch die Witwe Grizewa (Lea Haßkerl), die fünf Ehemänner verspeist haben soll.

Zum Schein macht sich Ostap Bender an sie heran und gleich wieder davon, nachdem sich ihr Stuhl als der falsche herausgestellt hat. Auch unter dem Stuhl der seltsam verschrobenen Ellsalotte, die ihren extrem begrenzten Wortschatz stets mit hoher Stimme hervorstößt und ihre Zimmerpflanze siezt, finden sich die Juwelen nicht. Hervorragend spielt Luise Klepper diese Nebenrolle, genauso wie auch Daniil Mironets die seine. Virtuos klimpert der Ganove auf dem Klavier und grölt dazu ein Sauflied in einem neuen Arbeiterlokal, erbaut von dem Erlös der Juwelen.

So gehen die Schatzsucher also leer aus, betrinkt sich der Priester, gehen Kissa und Bender betrübt auseinander. Es ist die Schlussszene dieser wunderbaren Inszenierung, in der die 18 Jugendlichen ihr Publikum mit beachtlicher Rollensicherheit, viel Verve und großer Spielfreude begeistert haben. Und an deren Ende ein großer, etwas unheimlicher russischer Bär auf der Bühne steht. Daniel Flügel

Die Kommentare sind geschlossen.