Mit stillem Zauber

Premiere der Theatergruppe Tarántula – PNN 07.07.14

Sanft weht der Wind durch die Bäume. Kleine blaue Irrlichter steigen auf einmal empor, schweben durch die Luft. Tanzen und spielen miteinander, necken sich und flüstern leise Worte. Eine Fee kommt dazu, irgendwo fliegt ein schwarzer Rabe. Beide steigen in den bunten Reigen mit ein und füllen die Luft mit stillem Zauber.

Das aktuelle Stück der Theatergruppe Tarántula „Schweigen ist grün“ erzählt nicht nur ein Märchen, es ist auch so liebevoll märchenhaft inszeniert, dass man ganz und gar in die Welt voller Magie eintaucht. Am vergangenen Freitag hatte „Schweigen ist grün“ auf der Platte in Potsdam-West Premiere. Das Stück, das motivisch an Hans Christian Andersens Märchen „Die wilden Schwäne“ angelehnt ist, erzählt die Geschichte von Prinzessin Elisa und ihren sechs Brüdern, die mit ihrem Vater, dem König, glücklich in einem magischen Reich zusammenleben. Doch eines Tages dringen sechs Hexen in die friedliche Welt ein. Eine von ihnen stiehlt das Herz des Königs und wird seine Frau. Aus Eifersucht und Habgier verwandelt sie die sechs Söhne in Vögel, in deren Gewand sie jeden Tag umherfliegen müssen. Um ihnen ihre menschliche Gestalt wieder zurückgeben zu können, muss Elisa eine schwere Prüfung über sich ergehen lassen, die sie fast das Leben kostet.

„Schweigen ist grün“ trifft dabei genau den richtigen Märchenton: Zauberhafte, fast literarische Dialoge wechseln sich mit einer gut dosierten Prise Humor ab, ohne jemals ins Lächerliche abzurutschen. Ganz wunderbar gelingt es, das Märchenmotiv durchzuziehen und doch neue Aspekte mit einzubringen. So heiratet Elisa am Ende nicht wie im Original einen Prinzen, sondern kehrt glücklich mit ihren Brüdern zu ihrem Vater zurück. Hier geht es um den Zusammenhalt der Familie, der als großes Thema herausgearbeitet wird.

Sehr schön dargestellt ist auch das Verhältnis von Gut und Böse. „Schweigen ist grün“ zeigt nicht den klassischen Kampf zwischen Licht und Schatten, bei dem die Hexe am Ende auf dem Scheiterhaufen landet. Es geht vielmehr darum, das Gleichgewicht zwischen beiden Mächten zu halten und so die magische Balance im Märchenwald wieder zu stabilisieren. Ein schöner gewaltfreier Ansatz, der gerade dem jüngeren Publikum zeigt, dass die Welt nicht nur schwarz-weiß ist. Ein sehr liebevolles Detail ist auch die Darstellung der Königssöhne, die nicht gesichtslos bleiben, sondern mit bestimmten Charaktereigenschaften ausgezeichnet werden, die sie auch als Vögel beibehalten. So verwandelt sich hier keiner in einen Schwan, sondern der Kluge zum Beispiel in eine Eule, der Schöne in einen Pfau oder der Jüngste in eine Meise.

An den jeweiligen Kostümen dazu kann man sich kaum sattsehen. Überhaupt ist die Dekoration genauso bezaubernd wie das gesamte Stück: Sonne und Mond gehen abwechselnd leuchtend als Lampion auf, kleine Bäume links und rechts werden zum Märchenwald, die Irrlichter schweben in blauen Flatterkostümen und die Hexen gruseln ganz in schwarz. Und wie sie dabei gruseln: Mit schlängelnder Zunge und feurigem Blick, ziehen sie nicht nur den König des Stückes in ihren dunklen Bann. Aber auch der Rest des Ensembles spielt ganz wunderbar und läuft in seiner jeweiligen Rolle zu darstellerischen Höchstformen auf. Sarah Kugler

Die Kommentare sind geschlossen.